Kosten beim stillen Factoring
Das verdeckte Verfahren kostet mehr als offenes Factoring. Entscheidend ist aber nicht die Gebühr allein. Wir zeigen alle Kostenblöcke, die oft übersehene Auszahlungsquote und rechnen ein Beispiel durch.

Was kostet stilles Factoring?
Die Kosten für stilles Factoring bestehen aus Factoringgebühr, Finanzierungszins und Nebenkosten. Weil der Factor die Rechnung nicht beim Kunden verifizieren kann, kommt beim stillen Verfahren ein Diskretionsaufschlag hinzu. Ebenso wichtig ist die Auszahlungsquote. Einen Festpreis gibt es nicht.
Woraus sich die Kosten zusammensetzen
Wer nach den Kosten für Factoring sucht, hätte gern eine einzige Zahl. Die gibt es nicht. Jedes Angebot wird für Ihr Unternehmen einzeln kalkuliert, und beim stillen Verfahren gilt das besonders. Was Sie am Ende zahlen, verteilt sich auf drei Blöcke, dazu kommt der Aufschlag für die verdeckte Abwicklung.
Die Factoringgebühr deckt Verwaltung, Risiko und Service ab. Sie wird als Prozentsatz auf den angekauften Umsatz berechnet, nicht auf Ihren Gesamtumsatz. Der Finanzierungszins fällt für die Zeit an, in der der Factor Ihr Geld vorstreckt, also zwischen Auszahlung und Zahlungseingang Ihres Kunden. Er läuft taggenau und nur auf den bevorschussten Anteil. Nebenkosten entstehen für Debitorenprüfung, Vertragseinrichtung, jährliche Audits und beim stillen Verfahren oft für das Sonderkonto.
Manche Anbieter fassen die ersten beiden Blöcke zu einer All-in-Gebühr zusammen. Das ist planbarer, aber selten günstiger. Bei getrennter Abrechnung sehen Sie, welcher Posten sich verhandeln lässt.
| Kostenposten | Was dahintersteckt | Orientierung |
|---|---|---|
| Factoringgebühr | Prozentsatz auf den angekauften Umsatz | ca. 0,8 bis 2,5 % |
| Finanzierungszins | Taggenau auf den vorfinanzierten Betrag | ca. 5,5 bis 9,5 % p. a. |
| Auszahlungsquote | Sofort verfügbarer Anteil der Rechnung | meist 80 bis 90 % |
| Diskretionsaufschlag | Mehrkosten für die verdeckte Abwicklung | anbieterabhängig |
| Nebenkosten | Prüfung, Einrichtung, Audit, Sonderkonto | anbieterabhängig |
Die Werte sind Orientierungen, kein verbindliches Angebot. Die tatsächlichen Konditionen hängen von Umsatz, Branche, Bonität, Debitorenstruktur, Zahlungszielen und Forderungsqualität ab.
Warum stilles Factoring mehr kostet
Beim offenen Verfahren kann die Factoringgesellschaft jede Rechnung direkt beim Kunden bestätigen lassen. Sie fragt nach, ob die Leistung abgenommen und der Betrag anerkannt ist. Im stillen Verfahren fällt diese Möglichkeit weg. Der Factor kauft die Forderung an, ohne sie beim Schuldner verifizieren zu können. Im Markt heißt das Blanko-Ankauf.
Diesen Verzicht bezahlt er mit einem höheren Risiko, und dieses Risiko preist er ein. Wie hoch der Aufschlag ausfällt, unterscheidet sich von Gesellschaft zu Gesellschaft erheblich. Eine allgemeingültige Prozentzahl dafür gibt es nicht, und wer Ihnen eine nennt, hat Ihr Angebot noch nicht gesehen. Worin sich die beiden Verfahren sonst noch unterscheiden, zeigt der Vergleich von offenem und stillem Factoring.
Ein Satz, den Sie auf vielen Anbieterseiten lesen werden: Stilles Factoring ist teurer. Das stimmt, sagt aber wenig. Wie viel teurer, hängt an Stellschrauben, die im Prospekt selten auftauchen. Die wichtigste davon ist die Auszahlungsquote.
Die versteckte Stellschraube: Auszahlungsquote
Der Factor zahlt Ihnen nicht den vollen Rechnungsbetrag aus, sondern üblicherweise 80 bis 90 Prozent. Der Rest bleibt als Einbehalt stehen und wird freigegeben, sobald Ihr Kunde gezahlt hat. Dieser Einbehalt ist kein Kostenblock. Er ist eine Sicherheit für Beträge, die nach der Auszahlung noch vom Rechnungswert abgehen können.
Der Einbehalt kostet Sie also nichts. Trotzdem ist die Quote der Posten, der Angebote am stärksten auseinandertreibt. Zwei Gesellschaften können dieselbe Factoringgebühr aufrufen, und das eine Angebot zahlt Ihnen 90 Prozent aus, das andere 80. Bei einer Rechnung über 60.000 € sind das 6.000 € Unterschied in der Liquidität, die Sie sofort in der Hand haben. Genau darauf kommt es an, wenn Sie Material bezahlen oder Skonto ziehen wollen.
Wer Angebote nur über die Gebühr vergleicht, vergleicht deshalb falsch. Fragen Sie nach der Quote, nach der Frist bis zur Gutschrift und danach, wann der Einbehalt abgerechnet wird. Wie diese Schritte praktisch ablaufen, zeigt der Ablauf beim stillen Factoring.
Praxisbeispiel: stilles Factoring gerechnet
Ein technischer Großhändler beliefert Industriekunden und stellt eine Rechnung über 60.000 € mit 45 Tagen Zahlungsziel. Das Material ist eingekauft, die Löhne laufen. Er verkauft die Forderung im stillen Verfahren und nutzt die frühe Liquidität, um seine eigene Lieferantenrechnung mit Skonto zu bezahlen. So sieht die Rechnung aus:
Setup-, Prüf-, Audit- und Sonderkontokosten sind hier nicht enthalten. Sie können je nach Anbieter zusätzlich anfallen und gehören in jedes konkrete Angebot. Die angesetzte Gebühr von 1,4 % ist eine Annahme. Ob ein Diskretionsaufschlag darin bereits enthalten ist oder zusätzlich berechnet wird, hängt vom konkreten Angebot ab. Die Werte sind Orientierung, kein verbindliches Angebot. Eigene Zahlen können Sie im Factoring-Rechner durchspielen.
Der Skontoertrag ist dabei keine Selbstverständlichkeit. Er entsteht nur, wenn Ihr Betrieb überhaupt Wareneinsatz hat, Ihre Lieferanten Skonto einräumen und Sie die frühe Liquidität tatsächlich dafür einsetzen. Trifft das nicht zu, bleibt es bei rund 1.280 € Kosten für diese eine Rechnung.
Die Gegenrechnung: Skonto und Liquidität
Fast jeder Kostenvergleich stellt die Factoringgebühr dem Kontokorrentzins gegenüber. Das ist die falsche Rechnung, wenn die Bank ohnehin keine weitere Linie einräumt. Der ehrliche Vergleich lautet: Was kostet es, 45 Tage zu warten?
Der größte Hebel liegt beim Einkauf. Wer eine Lieferantenrechnung innerhalb der Skontofrist bezahlt, spart üblicherweise 2 bis 3 Prozent. Das ist keine Kleinigkeit, sondern eine der verlässlichsten Renditen im Betrieb. Wer die Frist verstreichen lässt, nutzt den Lieferantenkredit, und der ist teuer. Genau hier setzt die frühe Liquidität aus dem Forderungsverkauf an.
Ob die Gegenrechnung in Ihrem Fall aufgeht, lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie hängt vom Wareneinsatz ab, von den Konditionen Ihrer Lieferanten und davon, ob Sie die Skontofrist bisher überhaupt nutzen konnten. Ein Dienstleister ohne nennenswerten Einkauf hat diesen Hebel schlicht nicht.
Ein weiterer Posten gehört auf die Habenseite, wenn Sie echtes Factoring vereinbaren: Das Ausfallrisiko geht auf die Factoringgesellschaft über. Ein einzelner Forderungsausfall kann ein Jahresergebnis kippen, und die Kosten dafür tauchen in keiner Gebührentabelle auf.
Eigenaufwand: was im Haus bleibt
Es gibt einen Kostenblock, der in keinem Angebot steht und den trotzdem jeder Betrieb bezahlt. Im stillen Verfahren bleiben Debitorenbuchhaltung, Zahlungserinnerungen und Mahnwesen häufig ganz oder teilweise bei Ihnen, weil der Factor nach außen nicht sichtbar auftreten soll.
Beim offenen Full-Service-Factoring übernimmt der Factor diese Arbeit. Das ist ein Teil dessen, wofür Sie dort die Gebühr zahlen. Im stillen Verfahren zahlen Sie mehr Gebühr und behalten die Arbeit. Das klingt paradox und ist der Preis der Diskretion.
Rechnen Sie diesen Aufwand mit, wenn Sie die Verfahren gegenüberstellen. Es geht um Personalzeit in der Buchhaltung, um ein zusätzliches Konto in der Finanzbuchhaltung und um die regelmäßige Übermittlung der Rechnungsdaten. Details dazu stehen im Ablauf, die Gegenüberstellung beider Verfahren im Vergleich.
Was die Konditionen beeinflusst
Zwei Betriebe mit identischem Umsatz können völlig unterschiedliche Angebote erhalten. Der Factor kalkuliert Risiko und Aufwand, und beides hängt an Ihrem Profil. Diese Faktoren wiegen am schwersten:
An den Zahlungszielen lässt sich oft mehr drehen als am Zinssatz. Wer die Vorfinanzierungsdauer verkürzt, senkt den Zinsanteil unmittelbar, ohne neu zu verhandeln. Was ein Anbieter darüber hinaus prüft, steht bei den Voraussetzungen für stilles Factoring.
Nur wenige Factoringgesellschaften bieten das stille Verfahren überhaupt an, und ihre Konditionen unterscheiden sich erheblich. Der Anbietervergleich ist damit die stärkste Stellschraube, die Sie in der Hand haben. Wir gleichen Ihre Eckdaten mit den Gesellschaften ab, die das Verfahren führen. Mehr dazu auf unserer Seite zu den passenden Anbietern.
Häufige Fragen zu den Kosten
Was kostet stilles Factoring?
Die Kosten bestehen aus Factoringgebühr, Finanzierungszins und Nebenkosten, dazu kommt ein Diskretionsaufschlag für die verdeckte Abwicklung. Zur Orientierung: Die Gebühr liegt bei etwa 0,8 bis 2,5 Prozent, der Zins bei etwa 5,5 bis 9,5 Prozent p. a. Einen Festpreis gibt es nicht, jedes Angebot wird einzeln kalkuliert.
Wie hoch sind die Gebühren beim Factoring?
Die Factoringgebühr wird als Prozentsatz auf den angekauften Umsatz berechnet und liegt zur Orientierung bei etwa 0,8 bis 2,5 Prozent. Sie ist nicht mit dem Finanzierungszins zu verwechseln, der taggenau auf den vorfinanzierten Betrag anfällt. Beide Posten zusammen ergeben die laufenden Kosten.
Warum ist stilles Factoring teurer als offenes?
Der Factor kauft die Forderung an, ohne sie beim Kunden verifizieren zu können, und trägt damit ein höheres Risiko. Dieses Risiko preist er als Diskretionsaufschlag ein. Zusätzlich prüft er Bonität und Ertragslage Ihres Unternehmens genauer als beim offenen Verfahren.
Wie hoch ist die Auszahlungsquote beim stillen Factoring?
Üblich sind 80 bis 90 Prozent des Rechnungsbetrags. Der Rest bleibt als Sicherheitseinbehalt stehen und wird freigegeben, sobald Ihr Kunde gezahlt hat. Der Einbehalt ist kein Kostenblock, beeinflusst aber, wie viel Liquidität Ihnen kurzfristig zur Verfügung steht.
Können Factoringgebühren steuerlich abgesetzt werden?
Factoringgebühren und Finanzierungszinsen sind betrieblich veranlasste Aufwendungen. Wie sie im Einzelfall zu verbuchen und steuerlich zu behandeln sind, klären Sie mit Ihrer Steuerberatung. Die Factoringgesellschaft stellt dafür die nötigen Abrechnungen bereit.
Für wen lohnt sich stilles Factoring?
Vor allem für Betriebe mit langen Zahlungszielen, gewerblichen Kunden und laufendem Rechnungsaufkommen, die ihre Kundenbeziehungen nicht mit einem sichtbaren Forderungsverkauf belasten wollen. Wer zusätzlich Wareneinsatz hat und Skonto ziehen kann, finanziert einen Teil der Gebühr gegen.
